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U.S. Städte verklagen Banken wegen Libor-Manipulation

26.07.2012







Die Klagen, die verschiedene Städte und Gemeinden in den USA Anfang Juli eingereicht haben, könnten einen der größten Bankenschwindel aller Zeiten ans Tageslicht bringen.

Bewusst manipulierte Zinssätze könnten dafür verantwortlich sein, dass weniger Lehrer und Feuerwehrmänner eingestellt wurden und Straßen nicht erneuert werden konnten. Auch Löcher in der Finanzierung von Programmen für Kinder könnten von diesem Skandal herrühren. Auf Grund der aktuellen ökonomischer Turbulenzen, ist die Bevölkerung von Finanzierungsengpässen der Städte und Gemeinden besonders hart betroffen. Ökonomischer Turbulenzen, die wohlgemerkt erst durch die nun der Zinsmanipulation bezichtigten Banken verursacht worden sind.

Nach aktuellen Schätzungen könnten die verklagten Banken mehrere Milliarden Dollar zahlen müssen. Auf der Anklagebank sitzen unter anderem Barclays, Bank of America, JPMorgan Chase und Citigroup.

Das könnte für einige Banken sehr schnell sehr hässlich werden. Peter Tchir, TF Market Advisors

Einige Wirtschaftsexperten vermuten bereits, dass dieser Skandal zu einer strikteren Regulierung der Banken in den USA führen könnte.

Was ist Libor-Manipulation?

Die London Interbank Offered Rate, kurz Libor, ist der londoner Interbanken-Zinssatz und passt Zinssätze für Kredite kurzfristig an die Weltwirtschaft an.

Der Verlauf des dreimonatigen USD-Libor von Juli 2002 bis Juli 2012
Der Verlauf des dreimonatigen USD-Libor von Juli 2002 bis Juli 2012

Barclays hat bereits zugegeben diesen Wert ein Jahr lang manipuliert zu haben und musste dafür eine Strafe von 450 Millionen US-Dollar, etwa 370 Millieonen Euro, zahlen.

Im Zuge einer ersten Untersuchung mussten bereits FinanzministerTim Geithner und Notenbankchef Ben Bernanke vor einem Untersuchungsausschuss des Senats aussagen.

Konkret ist folgendes Passiert: Städte kaufen ein Kreditderivat namens Interest-Rate Swap von einer Bank. Das Zertifikat schützt sie vor steigendem Libor, kostet sie jedoch bei fallendem Libor. Der Vorwurf lautet, dass die Banken den Libor nach unten korrigiert haben um auf Kosten der Städte abzukassieren.

Kurioserweise sitzen die sonst so verhassten Hedge Funds gemeinsamen mit öffentlichen Einrichtungen auf Seiten der Kläger. Auch sie haben Finanzprodukte erstanden deren Gewinn oder Verlust vom Steigen und Fallen des Libor abhängt.

Um wie viel Geld geht es?

An der Wallstreet ist man sich relativ einig, dass bei den aktuell angestrebten Gerichtsverfahren nur kleine Straf- und Kompensationszahlungen herauskommen werden. Der Grund liegt darin, dass es fast unmöglich ist zu beweisen, wie viele Einfluss die Manipulation einer (oder aller) Bank(en) hatte und wie groß der Verlust eines Klägers wirklich ist.

Außerdem profitierten die meisten Kläger gleichzeitig vom niedrigeren Libor, da sie sich günstiger Geld leihen konnten.

Trotzdem ist die Summe um die es insgesamt geht, gigantisch. Nach aktuellen Schätzungen sind 800 Billionen US-Dollar, etwa 660 Billionen Euro, von den Schwankungen des Libor betroffen. 800 Billionen sind übrigens 800.000.000.000.000! Allerdings ist ein Großteil dieses Wertes nicht echt und existiert nur innerhalb der aufgeblähten Finanzmärkte.

In Wirklichkeit sind den Klägern nur kleine Prozentsätze dieses Geldes verloren gegangen. Die Gemeinde Nassau County im Bundesstaat New York geht zum Beispiel von einem Verlust von 13 Millionen US-Dollar, etwa 10 Millionen Euro, aus. Diese Summen sind für die Banken Peanuts, können für Gemeinden aber über die Förderung einer Fabrik oder die Fortführung von sozialen Maßnahmen entscheiden.

Von diesen potentiellen kleinen Opfern gibt es hunderte, wenn nicht tausende. Bereits 2010 hat das Wall Street Journal allein im Bundestaat Pennsylvania 107 Schuldistrikte gefunden, die Kreditderivate besaßen.

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