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Siemens verzückt Aktionäre mit Aktienrückkauf

11.08.2012

Am Freitag, den 3. August erreichte die unerwartete und überraschende Meldung die Finanzwelt, die Wirtschaft, die Börse und die Aktionäre: Die Siemens AG hat ein Aktienrückkaufsprogramm mit einem gigantischen Volumen von drei Milliarden Euro angekündigt. Beschlossen hat der Vorstand der Siemens AG den Aktienrückkauf mit Zustimmung des Aufsichtsrats. Die Ermächtigung dazu haben ihm die Aktionäre bereits bei der Hauptversammlung am 25. Januar 2011 erteilt. Die Finanzierung des Rückkaufs solle über langfristige Schulden erfolgen, zumal das Unternehmen die derzeit sehr günstigen Kapitalmarktbedingungen nutzen wolle.

Der Verlauf der Siemens Aktie seit der Ankündigung des Rückkauf
Der Verlauf der Siemens Aktie seit der Ankündigung des Rückkauf (Quelle: Yahoo! Finanzen)

Dabei soll der Rückkauf spätestens bis zum 30. Dezember 2012 komplett vollzogen sein. Darüber hinaus sollen noch 33 Millionen eigene Anteilsscheine eingezogen werden: Mit dem klaren Ziel, dadurch das Grundkapital des Unternehmens relevant herabzusetzen. Die Aktion, eigene Aktien einzuziehen, ist an sich kein Einzelfall, sondern eine gängige Maßnahme, die von vielen an der Wertpapierbörse notierten Unternehmen getroffen wird. Erwartungsgemäß wurde die Aussicht auf den Rückkauf von den Händlern und von den Aktionären begrüßt. Zugleich stieg der Aktienkurs, welches die positive Bewertung des Vorhabens widerspiegelte.

Gründe für den Aktienrückkauf

Für die Fachwelt stellte sich allerdings die berechtigte Frage, aus welchen Gründen und zu welchen Zwecken Siemens beschlossen hat, diesen Schritt zu tun. Analysten versuchen, relevante und nachvollziehbare Antworten und Erklärungen zu finden. Überrascht hat sie der Rückkauf, weil der sogenannte Free Cashflow (bzw. liquide Mittel, Kapitalreserve) aktuell einfach viel zu schwach sei. Einfacher gesagt könne Siemens nicht allein die freien Geldmittel für den Aktienrückkauf ohne Fremdkapital (Kredite oder Anleihen) verbrauchen. Zudem halte das Unternehmen ohne dies ja fast 55 Millionen eigene Aktien und damit fast 6 Prozent des Gesamtvolumens Siemens Anteilsscheine. Des Weiteren signalisiere die Ankündigung dem Markt, dass in der nächsten Zukunft keine größere Übernahme durch Siemens zu erwarten ist, daher die Aktion - in Anbetracht der jüngsten missglückten Zukäufe - bejahend aufgenommen werden sollte. Der geplante Einzug eigener Stücke sei ebenfalls überraschend, denn der Rückkauf sei auch ohne ihn durchführbar.

Folgen des Aktienrückkauf

Die Folgen der zwei Maßnahmen sind positiv, und zwar in zwei Punkten: in erster Linie für den Kurs der Siemens-Aktie und dadurch natürlich auch für die am Unternehmen investierten Aktionäre.

Durch die Einziehung von 33 Millionen Anteilsscheinen wird das Grundkapital der Siemens AG von derzeit rund 914 auf "nur" 881 Millionen Stücken herabgesetzt, deren Wert damit dementsprechend - sofort dank der Aktion aber auch langfristig - steigt. Jeder weitere Unternehmensgewinn wird unter weniger Stücke geteilt werden. Fachlich gesagt ist das Ziel des Unternehmens, eine bessere Kapitalstruktur. Für die Siemens-Aktionäre ist es wichtig zu wissen, dass die "Kriegskasse nicht angetastet wird", das heißt, die Rücklagen von rund neun Milliarden Euro bleiben erhalten. Die Meldung hat die "Talfahrt" der Siemens-Aktie gestoppt, die weiteren Fakten versprechen eine auch in Zukunft bessere Entwicklung. Positiv anzusehen ist außerdem, dass der Rückkauf zwecks Einziehung und Kapitalherabsetzung sowie zur Ausgabe an Mitglieder des Vorstands, an Mitarbeiter und an Inhaber von Wandelschuldverschreibungen dient.

Hinter den zwei Maßnahmen steckt viel mehr als eine einfache "Kurspflege" und großzügiger Geldsegen für die Aktionäre. Das Gravierende bei dem Rückkauf ist, dass der Kursanstieg nicht das Ziel ist, sondern nur einer der erfreulichen Nebeneffekte der sinnvollen Kapitalumstrukturierung des Konzerns. So wurde klar, wie stark unterbewertet die Aktie ist. Darüber hinaus winkt den Siemens-Aktionären eine weitere Sonderausschüttung, die sie bei der nächsten Hauptversammlung Anfang 2013 bestimmt begeistert durchwinken werden. Mit dem cleveren Schritt kombiniert Siemens seine dank der Hochstufung von der Ratingagentur Moody's langfristige Bonität und das günstige Zinsniveau für Fremdkapital, was der Markt begrüßt. Weil der Rückkauf durch Fremdkapital finanziert wird, bleibt der Konzern dank satter Barschaft von neun Milliarden Euro flexibel für eventuelle Zukäufe. Durch die Verknappung der Aktienanzahl verteilt sich sein Börsenwert auf weniger Anteile, wodurch sowohl der Kurs als auch der Gewinn je Aktie steigen.

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