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Der Neue Markt

Verbot neuer offener Immobilienfonds

26.09.2012

Die Finanz- und Immobilienkrise hat alles durcheinander geschüttelt. Misswirtschaft und Hochrisikogeschäfte haben Bundesfinanzminister Schäuble dazu gebracht, den Privatanleger zukünftig besser schützen zu wollen. Besonders risikoreiche Anlageformen wie offene Immobilienfonds sollen zukünftig verboten werden.

Die Fondsbranche spricht umgehend von Einmischung und Entmündigung. Interessanterweise haben auch Verbraucherschützer die staatliche Regulation als zu weit gehend angeprangert. Neue offene Immobilienfonds soll es nach Schäubles Willen trotzdem nicht mehr geben. Er verweist auf die möglichen Finanzverluste durch solche riskanten Anlageformen unter Kleinsparern und will auch die Hedgefonds für private Anleger sperren.

Was sind offene Immobilienfonds?

Mit einer Geldanlage in offene Immobilienfonds beteiligen sich Investoren auf unterschiedlichem Investitionsniveau an großen Immobilienprojekten. Typisch für offene Immobilienfonds ist, dass die Investoren zu jeder beliebigen Zeit neue Fondsanteile kaufen oder gehaltene verkaufen können. Im Unterschied zu geschlossenen Immobilienfonds ist das Geld der Investoren aber nicht jahrelang gebunden, sondern erheblichen Verlustrisiken unterworfen. Der Ärger, den solche Fonds den Anlegern beschert haben, war geringer als die Geldverluste, die daraus resultierten. Während der Finanzkrise veräußerten viele Kleinanleger ihre Anteile an offenen Fonds. Als Folge mussten die Fondsgesellschaften die Immobilien aus Fonds billig abstoßen oder gar Immobilienfonds schließen. Für die Anleger, die ihre Fondsanteile nicht verkauft hatten, war das desaströs.

Wird das Verbot kritisiert?

Die Fondsanbieter fürchten nun, dass mit dem geplanten Verbot noch schwerere Zeiten für sie anbrechen. Auch die Immobilienbranche ist gegen ein gesetzliches Verbot. Man befürchtet Kreditausfälle und Finanzierungsprobleme. Bundesfinanzminister Schäuble steht mit seinem Gesetzesentwurf unter Druck. Er muss bis Mitte 2013 eine EU-Richtlinie namens AIFM umsetzen, die eine europaweit einheitliche Richtlinie verlangt. Bei den deutschen Fondsanbietern fürchtet man eine Abwanderung der Kundschaft zu ausländischen Fondsgesellschaften. Fondsanbieter in Luxemburg oder Irland haben schon in der Vergangenheit einen wachsenden Zuspruch von Anlegern aus Deutschland verzeichnet. Man sieht den Fondsstandort Deutschland gefährdet. Der Bundesverband Alternative Investments wie auch große Immobilienunternehmen teilen ihre Bedenken mit. Noch handelt es sich bei Schäubles Gesetzesinitiative zwar nur um einen Referentenentwurf. Mit dem soll sich das Bundeskabinett erst im Herbst befassen. Es gibt also zahlreiche Verhandlungsspielräume. Wo aber die Kompromissbereitschaft der Politik enden wird, weiß derzeit niemand.

Einige große Immobilien in Berlin
Große Bauprojekte sind oft auf die Finanzierung über Fonds angewiesen. (Quelle: Bernt Rostad)

Macht das Anlegerschutzgesetz Schäubles Vorschlag unnötig?

Dass selbst die Verbraucherschützer Kritik üben, hat Gründe. Offene Immobilienfonds zu verbieten, finden sie überflüssig, da solche Produkte erst kürzlich durch das Anlegerschutzgesetz neuen Bedingungen unterworfen wurden. Demnach sollen feste Haltefristen für die erworbenen Fondsanteile solche Finanzprodukte vor einer zukünftigen Schieflage durch vorschnelle Verkäufe absichern. Das Anlegerschutzgesetz ist allerdings bislang wirkungslos, weil es erst ab Anfang Januar 2013 ordnungsgemäß in Kraft tritt. Ob dann eine Nachbesserung notwendig ist, stellen die verschiedenen Kritiker in Frage. Alte Immobilienfonds, die während der Finanzkrise nicht geschlossen wurden, dürfen weiter offen bleiben. Private Anleger können hier kleine Beträge anlegen, während man bei geschlossenen Fonds vergleichsweise hohe Beträge oberhalb von 50.000 Euro anlegen muss. Neue offene Immobilienfonds zu verbieten, beraubt also den privaten Kleinanleger um Investitionsmöglichkeiten. Falls Sie Interesse an dieser Anlageform haben, sollten Sie verschiedene Immobilienfonds vergleichen und erst dann eine Wahl treffen.

Sind auch die Immobilien-Spezialfonds betroffen?

Auch die offenen Immobilien-Spezialfonds sollen verboten werden. Sie stehen bisher nur Institutionen offen, die jährlich mehr als 34 Milliarden Euro in solchen Fonds angelegt haben. Auch dadurch wird die Krisensituation im Immobiliensektor sich aus Sicht der Immobilienverbände noch verschlimmern. Denn in geschlossene Immobilienfonds dürfen beispielsweise Versicherungen nicht investieren.


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